Abstract
Die Digitalisierung schulischer Praxis stellt angehende Lehrpersonen vor neue professionelle Herausforderungen. Der vorliegende Beitrag untersucht die Rolle von Medienbildung im Professionalisierungsprozess von Lehramtsstudierenden und Berufseinsteiger*innen mit besonderem Fokus auf reflexive Kompetenzen und den professionsbezogenen Umgang mit Unsicherheit im digitalen Kontext. Auf Basis einer standardisierten Fragebogenerhebung mit 125 Personen - überwiegend weiblichen Studierenden des Lehramts Primarstufe - werden Selbsteinschätzungen zur Nutzung digitaler Medien, zur wahrgenommenen Medienkompetenz sowie zu professionsbezogenen Herausforderungen analysiert. Die Ergebnisse zeigen eine ausgeprägte technische Selbstwirksamkeit bei gleichzeitig bestehenden pädagogischen Vorbehalten gegenüber dem didaktischen Einsatz digitaler Medien. Dieser Befund wird als produktive Ambivalenz interpretiert und im Rahmen der strukturtheoretischen Professionstheorie nach Helsper sowie des Medienbildungskonzepts nach Bettinger und Jörissen theoretisch eingeordnet. Das Zusammentreffen scheinbar widersprüchlicher Einschätzungen kann dabei nicht nur als Kompetenzdefizit, sondern auch als Hinweis auf einen beginnenden Prozess reflexiver Professionalisierung gelesen werden. Daraus werden Konsequenzen für die Gestaltung medienpädagogischer Anteile in der Lehrer*innenbildung sowie für die Weiterentwicklung von Schooltools.at abgeleitet.

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