Abstract
Die digitale Wissensgesellschaft ist durch eine grundlegende Transformation ihrer Informations- und Kommunikationsstrukturen geprägt. Informationen sind heute in nahezu unbegrenzter Menge verfügbar, wodurch sich die Herausforderung von der bloßen Zugänglichkeit hin zur Bewertung, Auswahl und Einordnung von Information verschiebt. Dies führt insbesondere im Kontext demokratischer Gesellschaften zu neuen Anforderungen an politische Bildung und Medienkompetenz. Jorge Luis Borges’ Erzählung Die Bibliothek von Babel eignet sich dabei als heuristisches Modell moderner digitaler Wissensräume. Die Bibliothek fungiert nicht als reale Entsprechung des Internets, sondern als metaphorische Struktur zur Beschreibung epistemischer Überforderung, Orientierungslosigkeit und interpretativer Unsicherheit. Aufbauend auf bildungstheoretischen, politikdidaktischen und medienpädagogischen Ansätzen wird argumentiert, dass demokratische Bildung unter Bedingungen digitaler Öffentlichkeit insbesondere die Förderung von Urteilskraft, Medienkompetenz und Orientierungsfähigkeit leisten muss. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Orientierung und Mündigkeit unter Bedingungen digitaler Informationsfülle ermöglicht werden können und welche Konsequenzen sich daraus für Bildung ergeben.

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Copyright (c) 2026 Marie-Christin Grobner
