Zwischen Schattenwelt und Gemeinsinn: Platons Höhlengleichnis als erkenntnis-, bildungs- und demokratietheoretische Warnfigur im Zeitalter von Transhumanismus und künstlichen Wirklichkeiten
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Schlagwörter

Gemeinsinn
Bildungstheorie
Höhlengleichnis

Zitationsvorschlag

Zwischen Schattenwelt und Gemeinsinn: Platons Höhlengleichnis als erkenntnis-, bildungs- und demokratietheoretische Warnfigur im Zeitalter von Transhumanismus und künstlichen Wirklichkeiten. (2026). R&E-SOURCE, 13(1), 144–157. https://doi.org/10.53349/re-source.2026.i1.a1504

Abstract

Der Beitrag interpretiert Platons Höhlengleichnis als erkenntnis-, bildungs- und demokratietheoretische Warnfigur für gegenwärtige Gesellschaften, in denen Wirklichkeit zunehmend durch digitale Bilder, algorithmische Selektion und technologische Optimierungslogiken vermittelt wird. Im Zentrum steht die These, dass das Höhlengleichnis weniger individuelle Unwissenheit als vielmehr sozial stabilisierte Weltverhältnisse beschreibt, in denen Konsens Wahrheit ersetzt und Gemeinsinn auf bloße Übereinstimmung reduziert wird.

Ausgehend von einer kontextualisierten Lektüre der Politeia wird gezeigt, dass Erkenntnis bei Platon eine öffentliche Angelegenheit ist und Bildung als periagōgē notwendig mit Irritation, Zwang und politischer Verantwortung verbunden bleibt. Der Begriff des Gemeinsinns fungiert dabei als Schlüsselbegriff, um die Differenz zwischen geteilter Welt und fehlgeleiteter Öffentlichkeit herauszuarbeiten.

Im Anschluss an erziehungswissenschaftliche und demokratietheoretische Deutungen wird argumentiert, dass moderne digitale Öffentlichkeiten und transhumanistische Menschenbilder eine „freiwillige Rückkehr in die Höhle“ begünstigen. Bildung erscheint unter diesen Bedingungen nicht als Anpassung oder Optimierung, sondern als widerständige Praxis, die die Möglichkeit gemeinsamer Wahrheit gegen ihre bequeme Abschaffung verteidigt.

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