IntSens Interkulturelle Sensibilität als Bestandteil pädagogischer Grundhaltung von Lehrkräften in multikulturell heterogenen Klassen

Der Versuch einer Begriffsdefinition und -einordnung am Beispiel der Intercultural Sensitivity Scale von Guo-Ming Chen und William Starosta

Autor/innen

  • Sabine Zenz PH NÖ

Abstract

Interkulturelle Sensibilität ist das Ergebnis lebenslangen Lernens. Jede Lehrkraft kann diesen Vorgang durch den Wissenserwerb über andere Kulturen sowie auch das Erlernen von Fremdsprachen und persönlichen Erfahrungen unterstützen, vorausgesetzt das Individuum ist zur Selbstreflexion fähig. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn Lehrerinnen und Lehrer Empathie und Ambiguitätstoleranz entwickeln und gelassen mit Heterogenität umgehen, um auf Stereotype, (Fremd-)Zuschreibungen und Klischees zu reagieren.

Lehrerinnen und Lehrer, die mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zusammenarbeiten, könnten (wie auch andere Menschen) manchen Kulturgruppen vorschnell Eigenschaften und Stereotypisierungen zuschreiben, ohne sich Gedanken über die eigene Kultur, über die eigene Sensibilität oder über die gerade erlebte Situation zu machen. Interkulturelle Sensibilität bedeutet dabei nicht, in jeder Situation Lösungsmuster parat zu haben, sondern vielmehr „sich Zeit zu nehmen, genauer hinzuschauen, mehr verstehen zu wollen als bisher und sich in einen Aushandlungsprozess hineinzubegeben“ (Franzke & Henfling, 2017, S. 31). Menschen, die nicht interkulturell sensibel sind, gehen vom eigenen Selbstverständnis des eigenen Alltagsverhaltens aus. Jugendliche mit Migrationshintergrund entsprechen jedoch aufgrund ihrer kulturellen Sozialisation meist nicht den Normalerwartungen Einheimischer. Vor diesem Hintergrund ist die Interkulturelle Sensibilität als Bestandteil pädagogischer Grundhaltung von Lehrkräften umso wichtiger.

Veröffentlicht

2020-11-24