Politische Bildung und demokratierelevante Einstellungsmuster von angehenden Lehrenden: Eine quantitative Studie

  • Georg Lauß PH Wien
  • Stefan Schmid-Heher PH Wien

Abstract

Die Qualität von Politischer Bildung und Demokratieerziehung an Schulen ist untrennbar mit der Verankerung demokratischer Haltungen von Lehrern/Lehrerinnen verbunden. Mittels einer repräsentativen Umfrage an der PH Wien wurden einerseits politische Einstellungsmuster und andererseits die Wahrnehmung von Politischer Bildung unter Lehramtsstudierenden erhoben. Den theoretischen Ausgangspunkt bilden Ansätzen zur politischen Sozialisation und Autoritarismusforschung. Interpretiert werden die Daten vor dem Hintergrund anderer politischer Wertestudien. Zukünftige Lehrpersonen sind im Vergleich zur Gesamtbevölkerung weniger anfällig für gesellschaftlichen und politischen Autoritarismus. Auch negative gruppenbezogene Stereotype gegenüber ethnischen, religiösen und kulturellen Minderheiten sowie sexistische Vorbehalte sind weniger verbreitet. Allerdings scheinen Grundbegrifflichkeiten der Demokratie nicht durchgehend fest verankert. Autoritäre Regelungsmuster finden durchaus Anklang, während Einfühlungsvermögen gegenüber Schwächeren nicht immer stark genug ausgeprägt ist um das Ziel einer „Erziehung zur Mündigkeit“ erreichen zu können. Hang zum Autoritarismus steht in starker wechselseitiger Beziehung zu Spielarten gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Politische Bildung sollte daher dem Reflektieren von Hierarchien neben dem frühen Lernen gegen Vorurteile mehr Raum einräumen um fremdenfeindliche Tendenzen zu begegnen. Dem weitverbreiteten Gefühl von politischer Machtlosigkeit und Orientierungslosigkeit muss durch gezielte Förderung der Handlungskompetenz entgegengewirkt werden. Zu guter Letzt liefert die von Studierenden vorgenommene Reihung von Themenpräferenzen eine hilfreiche Richtschnur zur Auswahl von Zugängen um den Auftrag zur Politischen Bildung für alle Seiten effizienter und befriedigender umzusetzen.

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Veröffentlicht
2017-04-03