Ein Plädoyer für die Kompetenzorientierung! Geschichts- und politikdidaktische Perspektiven eines Lehr- und Lernkonzepts.

  • Philipp Mittnik Pädagogische Hochschule Wien

Abstract

Die österreichische Schulverwaltung hat der Kompetenzorientierung durch neue Lehrpläne und der neuen Reifeprüfung eine hohe Bedeutung zugewiesen. Kritiker/innen sprechen von einer Ökonomisierung der Bildung. Der Begriff der Kompetenzen wird in nahezu allen kritischen Betrachtungen mit der Standardisierung und anderen Testverfahren gleichgesetzt. Der Zugang zu Kompetenzorientierung ist im Unterrichtsfach Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung (GSKPB) jedoch von unterschiedlichen Grundlagen bestimmt. Der Aufbau eines reflexiven und kritischen Geschichtsbewusstseins ist nun das Ziel des Geschichtsunterrichts. Von der Kompetenzorientierung zu sprechen ist aus einer historisch-politischen Perspektive jedoch nicht nachvollziehbar, da domänenspezifische Unterschiede jedenfalls mitbedacht werden sollten. Auch der - oft kritisierte - Verlust des (historisch-politischen) Wissens ist im untersuchten FUER-Kompetenzmodell nicht zu erkennen. Wissen soll ein wichtiger Bestandteil von Unterricht bleiben, es soll aber kein unreflektiertes Daten- und Faktenwissen sein. Durch die Umgestaltung der österreichischen Reifeprüfung an AHS und BHS sind kompetenzorientierte Aufgabenstellungen in den Fokus von Lehrer/innen gerückt. Die Gestaltung dieser Aufgaben sollte Vorbild für den davor stattfindenden Unterricht sein, um Schüler/innen an eine neue Lern-, Lehr- und Prüfungskultur heran zu führen. An den Universitäten und den Pädagogischen Hochschulen dürfte die Heranführung an fachbezogene Kompetenzen bei Studierenden nur marginal stattfinden.
Veröffentlicht
2017-04-03