Der Einfluss der Bindung auf den bevorstehenden Schulübertritt

  • Christiane Hössl PH NÖ

Abstract

Obwohl bereits vielerlei Studien zum Schulübertritt von der Volksschule in die weiterführende Schule existieren, ist der Einfluss der Bindung von Schulkindern an ihre Eltern und FreundInnen beim Wechsel weitgehend unberücksichtigt geblieben. Diese Studie befasst sich einerseits mit dem, häufig in der Literatur als kritisches Lebensereignis erachteten Schulübertritt und dem Einfluss der Bindungsqualität auf die prospektive Einschätzung des Schulwechsels. Diese prospektive Bewertung kann im Sinne einer Herausforderung und Bedrohung sowohl im Leistungsbereich, als auch im Sozialbereich stattfinden. Anderseits soll festgestellt werden, in welcher Form sich die subjektiven Erwartungen zu den leistungs- sowie sozialbezogenen Veränderungen vor dem Schulübertritt zeigen. Ziel der Untersuchung ist es weiters, die Einschätzung des bevorstehenden Übergangs in die weiterführende Schule hinsichtlich der Muttersprache, des weiterführenden Schultyps und des Geschlechts herauszufiltern. Dabei wurden an 16 Grundschulklassen in Wiener Neustadt insgesamt 282 SchülerInnen befragt. Zusammenfassend zeigten die Ergebnisse, dass Kinder mit einer hohen Bindungsqualität an ihre Eltern den Schulübertritt als höhere leistungs- und sozialbezogene Herausforderung sahen. Ebenso gaben SchülerInnen mit einer guten Bindung zu ihren FreundInnen eine größere positive Herausforderung im Leistungsbereich an. Mädchen schätzten sowohl die erwarteten Veränderungen, als auch die sozial- und leistungsbezogenen Aspekte als sehr bedrohlich ein. Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache sahen den Schulübertritt als Herausforderung, wohingegen zukünftige HauptschülerInnen den Schulwechsel eher als Bedrohung erachteten.

Literaturhinweise

Ainsworth, M. (1991). Attachment and other affectional bonds across the life cycle. In C. Parkes, J. Stevenson-Hinde & P. Marris (Hrsg.), Attachment across the life cycle. London/New York: Tavistock/Routledge, 133-151.

Aikins, J., Bierman, K. & Parker, J. (2005). Navigating the transition to junior high school: The influence of pre-transition friendship and self-system charakteristics. Social Development, 14, 42-60.

Akos, P. (2002). Student perceptions of the transition to middle school. Professional School Counseling, 5, 339-345.

Berndt, T., Hawkins, J. & Jiao, Z. (1999). Influences of freinds and freindships on adjustment to junior high school. Merrill-Palmer Quaterly, 45, 13-41.

Berndt, T. & Mekos, D. (1995). Adolecent´s perceptions of the stressful and desireable aspects of the transition to junior high school. Journal of Research on Adolescence, 5, 123-142.

Bowlby, J. (1983). Verlust, Trauer und Depression. Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch Verlag.

Büchner, P. & Koch, K. (2001). Von der Grundschule in die Sekundarstufe. Der Übergang aus Kinder- und Elternsicht. Opladen: Leske + Budrich.

Büchner, P. & Koch, K. (2002). Von der Grundschule in die Sekundarschule. Übergangsprozesse aus der Sicht von SchülerInnen und Eltern. Die Deutsche Schule. 94, 234-246.

Bundesministerium für Bildung und Frauen (2015). Bildungswege im Primar- und Sekundarschulwesen [online]. URL: https://www.bmbf.gv.at/schulen/bw/ueberblick/hss.html#headline21 [16.02.2015].

Cantin, S. & Boivin, M. (2004). Change and stability in children´s social network and self-perceptions during transition from elementary to junior high school. International Journal of Behavioural Development, 28, 561-570.

Chung, H., Elias, M. & Schneider, K. (1998). Patterns of individual adjustment changes during middle school transition. Journal of school psychology, 36, 83-101.

Eder, F., Buschmann, I., Mayr, J., Mitschka, R., Schrodt, H. & Thonhauser, J. (1995). Massnahmen zur Verbesserung des Befindens in der Schule. In F. Eder (Hrsg.), Das Befinden von Kindern und Jugendlichen in der Schule (S. 232-252). Innsbruck: Studienverlag.

Fenzel, L. & Blyth, D. (1986). Individual adjustment to school transitions: An exploration of the role of supportive peer relations. Journal of Early Adolescence, 6, 315-329.

Filipp, S.-H. (1995). Ein allgemeines Modell zur Analyse kritischer Lebensereignisse. In S.-H. Filipp (Hrsg.), Kritische Lebensereignisse (S. 3-52). München: PsychologieVerlagsUnion.

Frank, A. (2006). Personale und soziale Ressourcen von Grundschulkindern bei schultypischen Problemen. In A. Schründer-Lenzen (Hrsg.), Risikofaktoren kindlicher Entwicklung. Migration, Leistungsangst und Schulübergang (S. 156-176). Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.

Fremmer-Bombik, E. (1999). Innere Arbeitsmodelle von Bindung. In G. Spangler & P. Zimmermann (Hrsg.), Die Bindungstheorie. Grundlagen, Forschung und Anwendung (S. 109-119). Stuttgart: Klett-Cotta.

Garlichs, A., Leuzinger-Bohleber, M. & Dornes, M. (1999). Bindungstheorie und Bindungsforschung – eine Herausforderung für die Schule. In H. Rauschenberger (Hrsg.), Erziehung im Wandel (S. 5-211). Weinheim [u.a.]: Juventa Verlag.

Geserick, B. & Spangler, G. (2007). Der Einfluss früher Bindungserfahrungen und aktueller mütterlicher Unterstützung auf das Verhalten von sechsjährigen Kindern in einer kognitiven Anforderungssituation. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 54, 86-102.

Gloger-Tippelt, G. (2002). Der Beitrag der Bindungsforschung zur klinischen Entwicklungspsychologie der Familie. In B. Rollett & H. Werneck (Hrsg.), Klinische Entwicklungspsychologie der Familie (S. 118-141). Göttingen: Hogrefe Verlag.

Goldberg, S. (2000). Introduction. In S. Goldberg, R. Muir & J. Kerr (Hrsg.), Attachment theory. Social, developmental and clinical perspektives (S. 1-15). Hillsdale New Jersey: The Analytic Press.

Graham, C. & Hill, M. (2003). Negotiating the transition to secondary school. Spotlight89. Glasgow: The SCREE Centre.

Griebel, W. (2004). Übergangsforschung aus psychologischer Sicht. In E. Schumacher (Hrsg.), Übergänge in Bildung und Ausbildung. Gesellschaftliche, subjektive und pädagogische Relevanzen (S. 25-45). Bad Heilbrunn/Obb: Klinkhardt.

Grolnick, W., Kurowski, C., Dunlap, K. & Hevey, C. (2000). Parental ressources and the transition to junior high. Journal of Research on adolescence, 10, 465-488.

Hardy, C., Bukowski, W. & Sippola, L. (2002). Stability and change in peer relationships during the transition to middle-level school. Journal of Early Adolescence, 22, 117-142.

Hirsch, B. & DuBois, D. (1992). The relation of peer social support and psychological symptomatology during the transition to junior high school: A two-year longitudinal analysis. American Journal of Community Psychology, 20, 333-347.

Holmes, J. (2002). John Bowlby und die Bindungstheorie. München, Basel: Reinhardt.

Jackson, Y. & Warren, J. (2000). Appraisal, social support, and life events: Predicting outcome behavior in school-age children. Child Development, 71, 1441-1457.

Lazarus, R. & Folkman, S. (1984). Stress, appraisal, and coping. New York: Springer.

Leffelsend, S. & Harazd, B. (2004). Erwartungen an die weiterführende Schule. Empirische Untersuchung zu den Übergangserwartungen von Grundschülern. Empirische Pädagogik, 18, 252-272.

Lord, S., Eccles, J. & McCarthy, K. (1994). Surviving the Junior High School transition. Family Processes and Self-Perceptions as protective and risk factors. Journal of Early Adolescence, 14, 162-199.

Main, M. (1999). Desorganisation im Bindungsverhalten. In G. Spangler & P. Zimmermann (Hrsg.), Die Bindungstheorie. Grundlagen, Forschung und Anwendung (S. 120-139). Stuttgart: Klett-Cotta.

Main, M. (2001). Aktuelle Studien zur Bindung. In G. Gloger-Tippelt (Hrsg.), Bindung im Erwachsenenalter. Ein Handbuch für Forschung und Praxis (S. 1-51). Bern: Verlag Hans Huber.

Meckelmann, V. (2004). Schulwechsel als kritisches Lebensereignis und die Entwicklung des Selbstkonzepts bei Jugendlichen. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 51, 273-284.

Montada, L. (2008). Fragen, Konzepte, Perspektiven. In R. Oerter & L. Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie (S. 3-48). Weinheim: PsychologieVerlagsUnion.

Moss, E., Rousseau, D., Parent, S., St-Laurent, D. & Saitonge, J. (1998). Correlates at attachment at school age : Maternal reportet stress, mother-child interaction and behaviour problems. Child development, 69, 1392-1405.

Nottelmann, E. (1987). Competence and self-esteem during transition from childhood to adolescence. Developmental Psycholgy, 23, 441-450.

Papini, D. & Roggmann, L. (1992). Adolescent perceived attachment to parents in relation to competence, depression, and anxiety: A longitudinal study. Journal of Early Adolescence, 12, 420-440.

Prekop, J. (1999). Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen. Ein Elternbuch. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.

Rauh, H. (2002). Vorgeburtliche Entwicklung und Frühe Kindheit. In R. Oerter & L. Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie (S. 73-104). Weinheim: PsychologieVerlagsUnion.

Scheurer-Englisch, H. (2007). Bindungssicherheit fördern – eine wesentliche Aufgabe der Erziehungs- und Familienberatung. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 54, 161-174.

Seidman, E., Lambert, L. & Aber, J. (2003). Urban adolescents´ transition to junior high school and protective family transactions. Journal of Early Adolescence, 23, 166-193.

Simmons, R. & Blyth, D. (1987). Moving into adolescence: The impact of pubertal change and school context. New York: Aldine de Gruyter.

Sirsch, U. (2000). Probleme beim Schulwechsel. Die subjektive Bedeutung des bevorstehenden Wechsels von der Grundschule in die weiterführende Schule. Münster: Waxmann.

Stadtschulrat für Wien (2000). Der große Wiener Schulführer 2000. Wien: Bohmann Druck und Verlags-Gesellschaft.

Stanzel-Tischler, E. & Grogger, G. (2001). Der Unterricht auf der 4. Schulstufe in Hinblick auf den Übertritt in weiterführende Schulen. Eine empirische Untersuchung an 21 steirischen Volksschulen im Schuljahr 1999/2000. Graz: Zentrum für Schulentwicklung.

Stanzel-Tischler, E. & Grogger, G. (2002). Der Übertritt von der Grundschule in die Sekundarstufe I. Eine empirische Untersuchung bei SchülerInnen, Eltern und Lehrpersonen auf der 5. Schulstufe im Schuljahr 2001/2002. Graz: Zentrum für Schulentwicklung.

van Ophuysen, S. (2006). Erlebte Unterstützung im Elternhaus und die emotionale Qualität der Übergangserwartungen von Grundschülern. In A. Schründer-Lenzen (Hrsg.), Risikofaktoren kindlicher Entwicklung. Migration, Leistungsangst und Schulübergang (S. 223-239). Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.

Veröffentlicht
2015-10-14
Rubrik
Fachwissenschaften