Abstract
Der Beitrag entwickelt theoretische Grundlagen für eine kunstpädagogische Perspektive im Kontext multipler Krisen, in denen ökologische Zerstörung, soziale Ungleichheit, Autoritarismen und epistemische Instabilitäten ineinandergreifen. Ausgangspunkt ist die Diagnose, dass moderne Weltverhältnisse durch grundlegende Dualismen – etwa Natur/Kultur, Mensch/ Nichtmensch oder Subjekt/Objekt – strukturiert sind, die auch in kunstpädagogischen Praktiken fortwirken und zur Stabilisierung krisenhafter Ordnungen beitragen. Der Artikel führt in zentrale Begriffe und Konzepte aus posthumanistischen, queer-feministischen und dekolonialen Theorien ein und macht sie für kunstpädagogische Fragestellungen zugänglich. Entscheidend ist dabei die Annahme, dass pädagogische Situationen nicht außerhalb der Krise stehen, sondern selbst in jene Verflechtungen eingebunden sind, die sie hervorbringen. Auf dieser Grundlage werden sechs analytische Linsen entwickelt, mit denen künstlerische und kunstpädagogische Situationen nicht primär über Inhalte, sondern über ihre Bedingungen und Relationen analysiert werden können. Im Fokus stehen dabei Wahrnehmung, Zeitlichkeit, Sorge, Kollektivität, Response-ability sowie Vulnerabilität und Prekarität.

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